Freiheit

Welch ein erhabenes Gefühl. Du kommst von einem arbeitsreichen Vormittag nach Hause. Es ist fast halb vier, als du vom Mittagstisch aufstehst und nun nicht weißt, was du tun sollst.
Ich lebe nun seit fast drei Monaten in Villa Carlos Paz, Argentinien. Doch auch wenn ich in dieser Zeit bereits einiges der argentinischen Sprache gelernt habe und mich redlich bemühe die Gegend kennen zu lernen, warten nun, nach dem Essen, keine Verpflichtungen auf mich.
Darüber möchte ich heute schreiben.

Freiheit, Gesellschaft und ein kolonialistisches Straßensystem
Columbia – Die Straße in der ich wohne.

Die ersten Wochen war dieses Gefühl am stärksten, aber auch jetzt noch, wenn der Tag und meine Laune hervorragend sind, fühlt es sich so an. Es ist wie Urlaub. Dass du morgens um kurz vor Sechs aus den Federn musst, ist nach dem Vormittag in der Schule vergessen. Zu viel Trubel, zu viele Menschen, die alle fröhlich und wohlgesonnen deinen Weg kreuzen. Und dann Nachmittags: nichts. Die Sonne scheint, ein leichter Wind der dir die 27° C nicht zu warm erscheinen lässt und du gehst zum Fluss, weil du weißt, dass du die Zeit hast. Freiheit weiterlesen

„Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes

In der Schule essen alle Schüler zu einer bestimmten Zeit Mittagessen. Das Essen wird von den Schülern reihum mitgebracht. Die kleinen essen etwas früher, die großen Schüler gegen halb Eins. Wie gewöhnlich betrat ich die Aula der elften Klasse um mit ihnen gemeinsam zu Mittag zu essen.

Und, wie nicht selten, waren auch an diesem Tag an der Tafel noch Anschriebe des vorangegangenen Unterrichts zu lesen. Doch dieses Mal blieb mein flüchtig über die Tafel streifender Blick hängen. Etwa mittig standen nur zwei Worte in weißer Kreide: „hadn‘t gone“.

🔗„hadn‘t gone“

Was für Worte: „hadn‘t gone“. Diese Worte, wie sie dort auf einer, der elften Klasse entsprechend, eher schnell als gründlich gewischten Tafel standen, brachten mich direkt ins Grübeln. Was meinen sie? In welchem Zusammenhang stehen sie?

Ein oberflächlicher Bezug zu den übrig gebliebenen farbigen Flecken an der Tafel wäre eine Möglichkeit. Ich muss grinsen. Diese wohlgeformte Linie aus Kreide – ein Gedanke der Person, die vergeblich mit dem Schwamm über das Brett fegte?

Doch ist schwarz nicht auch die Farbe des Todes? Wie tiefgründig können solche Worte werden. Weiß, mittig platziert unumgänglich auffällig, diese Worte. Umgeben von schleierartig mattweißen Schattierungen bunter Formen früherer Zeit, auf schwarzem Grund. „Hadn‘t gone.“ „Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes weiterlesen