Kinderferienlager in Cali, Colombia

Bevor das Kinderferienlager begann, verbrachte ich einige Tage in Cali, Colombia
Cali von einem nahen Berg aus gesehen.

Als ich auf der Suche nach einem möglichen Reiseziel für die Winterferien war, erreichte mich ein Gesuch aus Cali, dass für ein Kinderferienlager der dortigen Kirche der Christengemeinschaft noch Helfer gesucht würden. So entschied ich mich bald und machte mich schließlich auf den Weg nach Cali.

Ich kam wenige Tage vor Beginn der Freizeit in Cali an und nutzte diese Tage um einen allerersten oberflächlichen Eindruck der Kultur zu bekommen und bei den letzten Vorbereitungen des Kinderferienlagers zu helfen. Während dieser Tage übernachtete ich in der Kirche.

Dann kam der erste Tag der Freizeit – wir holten die Kinder samstagmorgens in ihrem Stadtviertel ab. Es war eine Gruppe von Kindern, die sich immer donnerstags in der Kirche trifft. Für diese Treffen werden die Kinder von einem ehemaligen Boxer bis zur Kirche begleitet und von dort auch wieder abgeholt. Dieser Boxer stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem Pfarrer und dem Stadtviertel dar. Weil er dort allseits bekannt ist und dadurch viel Respekt im Viertel genießt. So ist es auch nur durch ihn möglich, dass der Pfarrer dieses Barrio gefahrlos betreten kann.

Denn das Stadtviertel der Kinder ist nicht einfach. Es ist eines der schwierigsten von Cali. Gewalt und Armut gehört für die Kinder dort zum Alltag. Sie wachsen zwischen schwierigen familiären Verflechtungen und Straßenbanden auf. Einige der Kinder haben bereits Geschwister in diesen Verwiklungen verloren. Doch es sind Begebenheiten, die für sie zum Leben dazu gehören. Untereinander reden sie über diese Dinge offen und sachlich.

Wir, die Helfer des Kinderferienlagers und der Pfarrer, holten die Kinder also gemeinsam ab und machten uns auf den etwa einstündigen Weg zum Landhaus, das hoch oben in den Bergen über Cali liegt.

🔗Das Kinderferienlager selber

Die Kinder während der Kinderferienfreizeit.
Dieses Spielgerät musste jede freie Minute herhalten… 🙂

Während des Lagers wollten wir den Kindern die Möglichkeit geben sich handwerklich und künstlerisch betätigen zu können. Diese Möglichkeiten ergriffen die Gruppen in verschiedenen thematischen Schwerpunkten (wie etwa Indigene Ureinwohner oder Landart). Doch auch ein friedlicher Aufenthalt und drei gute Mahlzeiten am Tag waren wichtige Punkte für die Kinderfreizeit.

Zwei Helfer betreuten je vier Kinder. Aufmerksamkeit und körperlicher Kontakt waren den Kindern sehr wichtig, was sie uns unter anderem durch Wegrennen und dann wieder an-uns-Schmusen zeigten.
Die Kinder waren nicht einfach zu handhaben. Einerseits schon sehr erwachsen und unheimlich aufmerksam, andererseits noch sehr kindlich.

In ihren Straßen müssen sie schnell viele Themen wie Erwachsene aufgreifen und verstehen, um in ihrem schwierigen Alltag zurecht zu kommen. Andererseits bietet eben dieser Alltag den Kindern auch wenig Möglichkeiten der Entfaltung des Kindes, dem Kindsein. Und so stehen dann junge Menschen vor dir, die ohne Hemmungen von Mord und Vergewaltigung sprechen, aber genauso voller Freude ein Zwergenhäuschen bauen und in den Abendrunden den Märchen lauschen.
Es sind Kinder, die sich am Abend ernsthaft prügeln, sodass du sie mit zwei Helfern voneinander trennen musst und die am nächsten Morgen vergnügt miteinander spielen gehen.

🔗Erfahrungen

Dieses Kinderferienlager gab mir Einblicke in einen Lebensstil, den ich mir bisher kaum vorstellen konnte, ihn für so unheimlich fern hielt. Doch er ist nahe, in Kolumbien, in diesem Stadtviertel mit dem Namen „El Retiro“.

Es gab mir einen Eindruck davon, wie Kindheit sein kann. Und wieder einmal großen Respekt für die meinige, die friedliche Zeit, die ich in Deutschland als meine Kindheit bezeichnen kann.

Für mich sind diese Eindrücke noch frisch und größtenteils unreflektiert. Doch sie werden mich noch weiter Beschäftigen und mir hoffentlich eine Möglichkeit zeigen, wie sich den Kindern solcher Stadtviertel eine schönere und reichere Kindheit bieten lässt.

Auch bot sich mir in den zwei Wochen Aufenthalt in Kolumbien ein Land, dass sich so sehr von Argentinien unterscheidet, dass ich hier sicher noch einmal vorbeikommen werde, um mehr von diesem auf den ersten Blick sehr interessanten Land zu sehen und es ein wenig besser kennen zu lernen. Weitere photographische Eindrücke der Reise  und des Kinderferienlagers setze ich hier in Kurzfassung:

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