Die Fremde als Heimat und das Othering

Othering

Othering beschreibt den Prozess der Abgrenzung des eigenen gegenüber dem anderen. Identitätsstiftend geht damit nicht selten eine Abwertung des ‚anderen‘ einher, das abzugrenzende wird in seiner Andersartigkeit überbetont. Daher trägt der Begriff in den Geisteswissenschaften in der gegenwärtigen Verwendung eine negative Konnotation.

Die Fremde Heimat und das Othering

Wie kommt nun die abwehrende Haltung der Ethnologie gegenüber dem Othering mit den Gedanken der Prozessheimat zusammen, in dem das Fremde zunächst als solches Herausgestellt wird?

Um diese Frage zu beantworten lohnt es sich, auf das Verhältnis des Fremden oder Anderen zu mir zu blicken.

Sprachen wir im Bezug auf das Fremde nicht beständig über das Verhältnis ebendesselben zu mir? Es ging stets um eine Du-Beziehung zu dem Unbekannten, das mir begegnet. Beim Othering hingegen liegt eine Es-Beziehung zugrunde, das Andere wird in der dritten Person behandelt. Dies aber ist jene Art der Beziehung, die keine Verbindung zu mir enthält. Ich blicke auf etwas anderes, ohne mich dabei in Beziehung zu jenem mitzudenken. Sehr bezeichnend übrigens, wenn man bedenkt, dass Wahrnehmung eigentlich immer mit mir zu tun hat.

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