Medellin - Valparaiso - Manizales - Cali. Kolumbien. Erster Abschnitt auf meiner ersten Lateinamerikareise.

Erste Station meiner Reise: Kolumbien

Lange ist es her, dass ich geschrieben habe. Nun ist es 18:22 Uhr, ich sitze in einem Hostel in Copacabana, wo ich für knapp fünf Euro ein Zimmer erhalten habe. Vor mir auf dem kleinen Tisch liegen mein Block und meine Buntstifte, dazu in drei Tüten die leckersten Rosinen, getrockneten Aprikosen und Feigen, die du dir vorstellen kannst. Diese Früchte schmecken nach Sonne und Natur. Dazu ein Brötchen für den kleinen Hunger. Das ganze Ambiente liegt im leichten Schein einer Kerze, deren Flamme gelegentlich genauso um Luft kämpft wie ich, in dieser Höhe.

Dank eines Gewitters ist der Strom gerade unterbrochen.  In meinen Kopfhörern klimpern Peter Green und Fleetwood Mac sachte ihre Töne, die restlichen Geräusche im dunklen und leeren Hostel dringen noch durch.  Der richtige Augenblick, mal wieder einen Bericht zu schreiben. Meine Ankunft in Cali war das letzte, wovon ich berichtete. Setzte ich also dort fort.

🔗Cali und die Kinderfreizeit

Die Zeit in Cali war schön. Auch wenn ich wieder nicht dazu kam, die Stadt zu erkunden, so konnte ich doch am letzten der wöchentlichen Treffen vor der Kinderfreizeit teilnehmen. Donnerstags kommen jede Woche abwechselnd die unter oder über zwölfjährigen Kinder aus dem Stadtteil Retiro zur Kirche, die daran interessiert sind, dort in der Kirche zum Beispiel zu Weben oder zu Malen oder Gesellschaftsspiele zu spielen.

Finca Landhaus in den Bergen von Cali, Kolumbien
Der Weg, der zum Landhaus führt.

Zum Beginn der zweimonatigen Sommerferien dann dürfen etwa 20 bis 26 Kinder mit auf eine Freizeit kommen. Hoch in den Bergen über Cali, in einem kleinen Landhaus, möchten wir mit den Kindern zehn friedvolle Tage des gegenseitigen Respekts und des gemeinsamen Miteinander verbringen.

Dieses Jahr gelang uns dies nicht so, wie im vergangenen Jahr. Viele familiäre Verflechtungen zwischen den Kindern sorgten immer wieder für Streitereien und schwierige Situationen. Generell ist die pädagogische Begleitung dieser Kinder, die nicht selten in ihrer Entwicklung in einem Zwiespalt zwischen fünf bis sieben Jahren und Jugendlichen stehen, nicht einfach. Das Umfeld und die Erfahrungen, in denen sie aufwachsen, lassen ihnen häufig nicht die Möglichkeit eines gesunden Großwerdens.
Dass der Betreuungsschlüssel bei eins zu zwei liegt, findet seine Begründung in diesem Sachverhalt.

Trotz der Erfahrungen dieses Jahres hoffe ich, dass diese Kinderfreizeit wenn nicht im nächsten, so doch in den kommenden Jahren weiter stattfinden kann. Denn was die Kinder von diesen zehn Tagen mitnehmen können, ist für sie von unglaublichem Wert. Es ist so sehr das Gegenteil von dem, was für sie ihren Alltag darstellt.

Ich möchte ein paar Dinge ihres Alltags nennen. Nicht um um Sensation zu haischen, sondern um Dir, geschätzter Leser, die Möglichkeit zu geben, wenn Du Dir die tatsächliche Bedeutung dieser Dinge wirklich klar machst, ein wenig den Hintergrund zu verstehen, in dem diese Menschen aufwachsen und leben.
Innerhalb der zehn Tage der Freizeit gab es neun Tote in ihrem Stadtteil. Neun Tote, die in keiner Statistik auftauchen werden. Die einzige Reaktion der Kinder auf diese Nachricht, wie ein Kommentar zum Wetterbericht: „hoffentlich ist keiner aus meiner Familie darunter.“
Die Familien leben auf kleinem Raum, die ärmeren in vier Wänden ohne Dach, oder sogar weniger als das.
Acht von zehn Vätern sitzen ein, für verschiedene Delikte.
Jeder Junge, der älter als 21 Jahre alt wird, betrachtet jedes weitere Jahr, in dem er nicht zwischen den familiären Verflechtungen stirbt, als geschenktes Jahr. Die Mädchen tragen ebenfalls ihre Erfahrungen mit sich, selbst manche der unter vierzehn-jährigen, die mit auf die Freizeit kommen.

Sich in das Schicksal dieser Menschen hineinzufühlen, kann großen Schmerz bereiten.

Aber aus diesem Grund ist es eine so wichtige Tätigkeit, den Kindern einen anderen Alltag zu zeigen. In der Hoffnung, dass sie dieses kleine Stückchen Licht, dass sie auf der Freizeit erfahren, mit in ihre Straßen tragen. Und wenn diese kleine Licht bloß wäre, dass sie gelernt hätten, „danke“ zueinander zu sagen.

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