Reise – Gebäude der Administration erbaut aus recycelbaren Materialien – Reise als Quelle für INterkulturelles Verständnis

Reisen als Quelle besseren interkulturellen Verständnisses

Die Zeit der Rückkunft aus Argentinien fällt mir nicht ganz leicht. Doch das ist schön so. Denn ich erlebe gerade, wie wichtig das Reisen und die Erfahrung einer anderen Kultur ist.

🔗Kulturerlebnis

Einmal die Konfrontation mit der eigenen Kultur zu erleben ist fabelhaft. Einfach an vielen kleinen Stellen anzuecken und sich so mancher Besonderheit der eigenen Kultur bewusst zu werden – das geht nur, wenn man Reisen und in eine fremde Kultur eintauchen konnte. So wie ich, während meines Freiwilligendienstes.

Während meines Aufenthaltes in Argentinien handelte ich stets im Bewusstsein, dass mir diese Kultur fremd sei. Dementsprechend vorsichtig beziehungsweise offenen Auges ging ich auf neue Situationen zu. Zurück in Deutschland verhielt ich mich nicht so. Denn die Kultur des Landes, in dem ich meine Kindheit und Jugend verbrachte, meinte ich ja wohl zu kennen. Doch es gibt Dinge, deren du dich nach einem einjährigen Aufenthalt in einer anderen Kultur erst entsinnen musst, die dir nicht mehr bewusst sind.

Das betrifft vor allem die Bewertung von Situationen und die Schlussfolgerung daraus, wie du dich zu verhalten hast, wie du dich verhalten kannst. Eine Begegnung im deutschen Kulturraum vor dem Hintergrund der argentinischen Kultur zu bewerten, ergibt wenig Sinn. Und doch passiert mir gelegentlich genau das.

🔗Die Sprache

Mit der Sprache verhält es sich ähnlich. Zunächst erlebte ich in Argentinien diese Hilflosigkeit, mich nicht ausdrücken zu können. Später war ich beständig bemüht, mich der spanischen Sprache zu bemächtigen und die richtigen Worte zu verwenden. Und trotzdem blieb eine gewisse Befangenheit in der Sprache.

Zurückgekehrt denke ich im Deutschen kaum über meine Wortwahl nach, wenn ich mich nicht gerade stilistisch in bestimmter Richtung ausdrücken möchte. Doch dann kommt es beim Einkaufen nun zu Situationen, wo mich die Verkäuferin an der Theke fragt, ob es noch etwas sein darf und mir ein promptes „Nada más, ¡gracias!“ als Antwort heraus rutscht.
Dann passiert genau das selbe: Einstudierte Situationen oder Wortgebräuche haben sich bei mir in der argentinischen Variante ihren Ort gesucht und treten nun auch noch nach meiner Rückkehr in den Vordergrund.

🔗Reisen als Quelle interkulturellen Verständnisses

Doch warum sind diese Erfahrungen meines Freiwilligendienstes so wichtig für interkulturelles Verständnis? Weil in diesen oben geschilderten Situationen jeder Reisende und jeder Migrant steckt.

Verständnis dem anderen entgegenzubringen in seiner Andersartigkeit – das fällt leichter, wenn man selbst schon einmal in der Situation des Anders-Seins steckte. Verständnis zu haben dafür, dass man als Europäer den Kindern bestimmter Stämme in Afrika nicht über den Kopf streichen darf, ist wenn man die mitunter – ja – Eigenartigkeit einer anderen Kultur erlebte, einfacher.

Die Situation von Immigranten zu verstehen, die schon seit langer Zeit in einem neuen Heimatland leben und die neue Sprache gut sprechen – dafür braucht es das eigene Erlebnis. Das eigene Erlebnis, Nuancen nicht so wählen zu können, wie du es gerne tätest. In einer solchen Eingeschränktheit zu leben ist in gewissem Sinne belastend. Denn du verlierst einen Teil der Fähigkeit, dich mitteilen zu können.

🔗Der Internationale Freiwilligendienst

Das ist also vielleicht die wichtigste Aufgabe eines Freiwilligendienstes. Verständnis für die Situation der anderen zu schaffen.

Doch spannender wird es noch, wenn du Erfahrungen einer fremden Kultur als Inspirationsquelle deines eigenen Lebensstiles betrachtest. Denn dann wird das Unterwegssein eine Qualität der Erneuerung von Impulsen und schafft Beweglichkeit gegenüber Neuem.
Dann führen deine Erfahrungen zur Reevaluierung der eigenen Kultur und können, in diese einfließend, positive Änderungen bewirken.

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