Archiv der Kategorie: Freiwilliges Jahr im Ausland (FJA)

Hier habe ich all die verschiedenen Einträge, die im Bezug zu meinem Freiwilligendienst in Argentinien stehen, einsortiert. Also Berichte zur Vor- und Nachbereitung, zu den begleitenden Seminaren, Bilder und Gedanken aus dem Jahr, und ähnliches.

Die Trägerorganisation nennt den Dienst „Freiwilliges Jahr im Ausland“, kurz „FJA“ – andere schlicht FSJ. Doch eigentlich sind bei den Freunden Freiwilligendienstleistende der Programme „Internationaler Jugendfreiwilligendienst“ und „weltwärts“ gemeint.

Die Lage

Los Gigantes, eine Bergkette westlich von Carlos Paz, wird durch verschiedene bewirtschaftete Hochebenen unterbrochen. In der Ferne erkennt man die höchsten Rücken der Kette.

Ich möchte in diesem etwas längeren Artikel einmal auf meine Wahrnehmungen der Stadt aus den vergangenen Monaten eingehen. Diese Schilderungen sind subjektiv und beziehen sich nur auf Carlos Paz. Ich bin noch nicht ausreichend herumgekommen, dass ich allgemeinere Aussagen machen könnte.

🔗Der Ort Carlos Paz

🔗Landschaftlich

Die Lage der Schule und meines Zuhauses in Carlos PazDie Stadt Villa Carlos Paz liegt an einem aus drei Flüssen gespeistem Stausee. Einer dieser Flüsse wächst aus vielen kleinen Flüssen in den Bergen und schlängelt sich dann durch verschiedene Ortschaften und Städte bis er hier von Süden her durch Carlos Paz fließt und in den Stausee Emabalse San Roque mündet. Auch an meiner Haustür fließt der Fluss San Antonio recht dicht vorbei (2). Aufgrund seines Ursprungs in den Bergen ist der Wasserstand sehr vom lokalen Wetter abhängig. Nach Regenschauern steigt der Wasserstand gut an. Über das Jahr gesehen ergeben sich Wasserstandunterschiede von etwa zwei Metern hier vor meiner Tür, wo das Flussbett gute dreißig Meter breit ist.

Während die Stadt im Süden also durch den Stausee begrenzt wird, sind es im Osten und Westen Bergketten, die die Stadt einengen. Nach Osten hin sind die Berge besonders steil. Las Chicas (dt: die Kleinen), wie sie hier genannt werden, steigen direkt am Stadtrand etwa dreihundert Meter in die Höhe. Wenn man sie besteigt wird man oben von erfrischender Ruhe umgeben – der Lärm der Stadt dringt kaum herauf. Dazu präsentiert sich eine beeindruckende Aussicht. Die Lage weiterlesen

Impressionen III

In den letzten anderthalb Monaten war ich viel unterwegs in der Gegend rund um Carlos Paz. Nun möchte ich hier wieder einmal ein paar wenige Bilder für die Reihe Impressionen auswählen und kommentieren.

Impressionen des Río SAn Antonio nach Sonnenuntergang.
Der Río San Antonio bietet jeden Tag ein anderes Bild. Das Schwinden des Tageslichtes hier zu beobachten, bereitet mir besonders Freude.

Abends gehe ich gerne mal an den nur wenige Minuten entfernten Fluss San Antonio. Das hat mehrere Gründe.
Zum einen ist es dort direkt am Wasser ein wenig kühler. Zum anderen setzte ich mich dort gerne hin um Musik zu hören und – solange es an dem Tag dann noch hell ist – zu zeichnen oder zu schreiben. Ich habe das für mich als eine gute Möglichkeit gefunden, über den Tag zu reflektieren und mich wirklich zu mir zurückzuziehen.

Ich habe hier einfach noch stärker als in manchen Momenten Daheim erlebt, dass es mir sehr wichtig ist, Musik zu hören, die mir gefällt und die ich kenne. Das ist für mich einfach eine Möglichkeit, mich wirklich zu entspannen. Impressionen III weiterlesen

Freiheit

Welch ein erhabenes Gefühl. Du kommst von einem arbeitsreichen Vormittag nach Hause. Es ist fast halb vier, als du vom Mittagstisch aufstehst und nun nicht weißt, was du tun sollst.
Ich lebe nun seit fast drei Monaten in Villa Carlos Paz, Argentinien. Doch auch wenn ich in dieser Zeit bereits einiges der argentinischen Sprache gelernt habe und mich redlich bemühe die Gegend kennen zu lernen, warten nun, nach dem Essen, keine Verpflichtungen auf mich.
Darüber möchte ich heute schreiben.

Freiheit, Gesellschaft und ein kolonialistisches Straßensystem
Columbia – Die Straße in der ich wohne.

Die ersten Wochen war dieses Gefühl am stärksten, aber auch jetzt noch, wenn der Tag und meine Laune hervorragend sind, fühlt es sich so an. Es ist wie Urlaub. Dass du morgens um kurz vor Sechs aus den Federn musst, ist nach dem Vormittag in der Schule vergessen. Zu viel Trubel, zu viele Menschen, die alle fröhlich und wohlgesonnen deinen Weg kreuzen. Und dann Nachmittags: nichts. Die Sonne scheint, ein leichter Wind der dir die 27° C nicht zu warm erscheinen lässt und du gehst zum Fluss, weil du weißt, dass du die Zeit hast. Freiheit weiterlesen

„Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes

In der Schule essen alle Schüler zu einer bestimmten Zeit Mittagessen. Das Essen wird von den Schülern reihum mitgebracht. Die kleinen essen etwas früher, die großen Schüler gegen halb Eins. Wie gewöhnlich betrat ich die Aula der elften Klasse um mit ihnen gemeinsam zu Mittag zu essen.

Und, wie nicht selten, waren auch an diesem Tag an der Tafel noch Anschriebe des vorangegangenen Unterrichts zu lesen. Doch dieses Mal blieb mein flüchtig über die Tafel streifender Blick hängen. Etwa mittig standen nur zwei Worte in weißer Kreide: „hadn‘t gone“.

🔗„hadn‘t gone“

Was für Worte: „hadn‘t gone“. Diese Worte, wie sie dort auf einer, der elften Klasse entsprechend, eher schnell als gründlich gewischten Tafel standen, brachten mich direkt ins Grübeln. Was meinen sie? In welchem Zusammenhang stehen sie?

Ein oberflächlicher Bezug zu den übrig gebliebenen farbigen Flecken an der Tafel wäre eine Möglichkeit. Ich muss grinsen. Diese wohlgeformte Linie aus Kreide – ein Gedanke der Person, die vergeblich mit dem Schwamm über das Brett fegte?

Doch ist schwarz nicht auch die Farbe des Todes? Wie tiefgründig können solche Worte werden. Weiß, mittig platziert unumgänglich auffällig, diese Worte. Umgeben von schleierartig mattweißen Schattierungen bunter Formen früherer Zeit, auf schwarzem Grund. „Hadn‘t gone.“ „Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes weiterlesen

Impressionen II

Eine der Brücken in Carlos Paz ist nachts beleuchtet. Diese bunte LED-Beleuchtung ist hier in der Stadt weit verbreitet. Weite Strecken der Hauptstraße entlang sind die Bäume in der Straßenmitte mit wechselnden Mustern beleuchtet. Auch in anderen Ecken der Stadt findet sich hin und wieder eine beleuchtete Verkehrsinsel.

Nun ist der zweite Monat schon um, und es ist eine Menge geschehen. Daher möchte ich hier erst einmal wieder einfach Impressionen in Form von Bildern zeigen, denn zu ausführlichen Texten werde ich wohl erst in einiger Zeit wieder kommen 🙂

Impressionen der Stadt Carlos Paz.
Die Stadt erstreckt sich entlang des Flusses San Antonio und umgibt den südlichen Teil des Stausees.

Das Stadtzentrum Carlos Paz‘ mit dem Fluss San Antonio. Er schlängelt sich durch die Stadt und mündet dann von Süden her im Stausee.
Dieses Bild entstand auf dem Rückweg von einem Ausflug auf einen der stadtnahen Berge. Impressionen II weiterlesen

Die ersten Arbeitstage

🔗Der Schulweg

Morgens um sechs Uhr heißt es Aufzustehen. Es gibt kleines Frühstück – frisch und selbst gebackenes Brot mit Marmelade oder Honig. Dazu einen Tee. Dann kommt auch schon der Schulbus und es geht Richtung Schule los. Die Fahrt dauert eine gute Stunde. Es geht Hügel rauf, Hügel runter, hier links, da recht – selten geradeaus. Inzwischen, nachdem ich die Strecke (wenn auch mit täglichen Variationen) ein gutes Dutzend mal gefahren bin, erkenne ich ganze Streckenabschnitte wieder und kann mich halbwegs orientieren. Auch dass die Sonne mittags im Norden steht, habe ich mittlerweile verinnerlicht.

Im Osten geht die Sonne auf,
Im Norden nimmt sie ihren Lauf,
Im Westen wird sie untergeh’n,
Im Süden ist sie nie zu seh’n.

Der Merkspruch gilt auf der Südhalbkugel in umgedrehter Weise…

In dieser Stadt, die so lang gestreckt um den See entstanden ist, sind Norden und Süden zwei wichtige Richtungen zur Orientierung in der Stadt Die ersten Arbeitstage weiterlesen

Impressionen I

Eine Bucht am See, Nachmittags kurz vor Sonnenuntergang.

Mit der Beitragsreihe Impressionen werde ich von Zeit zu Zeit ein paar Bilder dieses Jahres veröffentlichen. Die einzelnen Beiträge ändern nach ihrer Veröffentlichung vielleicht noch manchmal ihren Inhalt, aber ich fand dies eine gute Möglichkeit, euch Bilder ohne viel Text zugänglich zu machen.

Das Beitragsbild entstand auf der Rückfahrt von Merles Zuhause (Merle ist die andere Freiwillige, die im Kindergarten der Sol de Oro mitarbeitet). Der Sonnenuntergang über dem See und in der Ferne die im Dunst liegenden Bergketten waren mir ein Photo wert.

Ein Blick in die Ferne…
Ein Blick in die Ferne…

Dieses Bild entstand schon vor einer Weile, genauer am ersten Wochenende, wenn ich mich recht entsinne. Ich war mit meinem Gastvater auf einen nahen Berg gestiegen (auf etwa 1200 m, also 600 m über der Stadt) und hatte von dort schon einen ersten Blick über die Umgebung geworfen. Impressionen I weiterlesen

Single Story – die einzelne Geschichte

Der Begriff „Single Story“ ist für sich einfach erklärt. Das Problem dahinter ist aber komplexer, da es mit Gewohnheiten und Bewusstsein zu tun hat.

Dieses Thema sprachen wir auch auf dem Vorbereitungsseminar an.

🔗Single Story?

Nach einem Vortrag von Chimamanda Adichie ist die Single Story einfach eine Geschichte von vielen. Die Single Story birgt aber insofern eine Gefahr in sich, als dass sie droht als einzige Darstellung ihren Inhalt zu stereotypisieren. Die Darstellung einer Gegebenheit wird verallgemeinert und als einzige Sichtweise angenommen. Hierdrin liegt die Gefahr von Single Stories. Sie bilden dem Zuhörer oder Leser ein scheinbares Gesamtbild, ohne dass die Möglichkeit einer anderen Sichtweise eingeräumt wird. Single Story – die einzelne Geschichte weiterlesen

La Luna – Der Mond

Ein wunderbarer Mond, ein Designerstück von Hocker und eine Belichtungszeit von zwanzig Sekunden ermöglichten mir diese Aufnahme.

Der Mond erschien an diesem Abend besonders groß. Wie alle Gestirne zieht er seine Runden von Ost über Nord nach West. Das macht mir  die Orientierung in dieser Stadt nicht gerade leicht, wenn die Sonne am Tage falsch herum wandert.

Hier in Carlos Paz wird es recht früh dunkel. Gegen aktuell etwa sieben Uhr wird es innerhalb einer  halben Stunde quasi Nacht. Dieses Photo schoss ich gegen viertel vor acht.
Ein Hocker – geschweißt aus der Sitzfläche eines alten Ackergerätes und ein paar Eisenstangen – diente mir als Stativ. Auf diese Weise gelang mir diese verwackelungsfreie Aufnahme von zwanzig Sekunden. La Luna – Der Mond weiterlesen

Meine Ankunft in Argentinien

Blick aus dem Schulbus (mit – zugegeben – etwas dreckigen Scheiben) auf Carlos Paz.

Die Ankunft in Buenos Aires war herrlich. Die Sonne hatte sich gerade erhoben und tauchte alles in ein morgendliches Rot. Die Pampa erstreckte sich ringsum wie es Norddeutschland nicht könnte: nicht die Andeutung eines Hügelchens bis zum Horizont. Über den nicht allzu großen Feldern lagerten vom Sonnenlicht durchtränkte rosarote Nebelschwaden. Zwischen den Feldern hier und da vereinzelt ein paar Bäume, ansonsten Flachland. So sieht es also aus, das Land in dem ich nun ein Jahr verbringen werde.

Mit einem leichten Ruck setzt das Flugzeug auf der Landebahn auf, und noch während ich aus dem Fenster blicke wird mir bewusst, dass das Jahr begonnen hat. Dass ich jetzt wirklich dort bin, wo man ohne den Globus zu drehen nicht hin zeigen kann. Dass ich jetzt wirklich angekommen bin und dieses große Abenteuer wirklich schon begonnen hat.
Ich bin sehr glücklich und ob des wunderschönen Empfanges frohen Gemüts – auch wenn sich mir der Gedanke aufdrängt, dass ich nun wirklich ein Jahr lang von meinem Bekannten – der Familie, den Freunden, den gewohnten Umgangsweisen – entfernt sein werde. Meine Ankunft in Argentinien weiterlesen

Bald geht ’s los! – das Vorbereitungsseminar

Tja, die Zeit rast dahin. Gerade habe ich mein Abitur gemacht und schon bin ich auf dem Weg zum Vorbereitungsseminar. Noch auf dem Weg dorthin bereite ich mein Referat vor – ich fand vorher keine Zeit, dies zu tun.

🔗Das Vorbereitungsseminar

Achtzig junge Menschen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands, die alle nach Lateinamerika wollen, um dort einen Freiwilligendienst zu leisten. Doch was heißt „Freiwillig“ und was bedeutet „Dienst“?

Diese und viele weitere Fragen besprachen wir auf dem Vorbereitungsseminar in Helmarshausen. Dabei war das Seminar abwechslungsreich und gut geplant.
Viele Länderspezifische Themen betrachteten wir in Ländergruppen, also in Gruppen unterteilt nach Reiseländern. Die Gruppe der Freiwilligen, die nach Argentinien ausreisen werden, ist über dreißig Personen groß. Bald geht ’s los! – das Vorbereitungsseminar weiterlesen

Spendenaufruf für mein Freiwilligenjahr in einer Schule in Argentinien

Für mich beginnt nun die spannende Zeit des Lebens, wo man nicht immer direkt weiß, wie es im nächsten Jahr weitergeht. Nach dem Abitur möchte ich Anfang August einen einjährigen Freiwilligendienst beginnen und die Flexibilität, die diese Ungewissheit des kommenden Lebensabschnittes bietet, auskosten. Ich habe mich bereits erfolgreich über die Organisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e. V.“ bei der Waldorfschule Comunidad Educativa „Sol de Oro“ in Argentinien beworben.

Für mich war schon vor etwa einem Jahr klar, dass ich nach der Schule erst einmal eine „Lernpause“ einlegen und mich einem abwechslungsreicheren Tagesablauf hingeben möchte. Dabei dachte ich an verschiedene Dinge; ein Freiwilligendienst schien mir dann letzten Herbst als das Wichtigste und sicherlich auch Spannendste. Auf der Suche danach, wie man so einen Freiwilligen-Dienst denn eigentlich macht, stieß ich auf die „Freunde“ als Träger. Eine Vielzahl an verschiedenen Interessensgebieten und Einsatzländern sowie Stellenbeschreibungen, die mir ein Bild der jeweiligen Gegebenheiten und Erwartungen geben konnten, kräftigten meine Entscheidung für diesen Träger.

Für mich stehen neue Erfahrungen in kultureller Hinsicht besonders im Mittelpunkt des Freiwilligen Jahres im Ausland (FJA). Spendenaufruf für mein Freiwilligenjahr in einer Schule in Argentinien weiterlesen