Pfingstaktion - Pfingsttagung Jugendtagung in Witten 2019

Pfingstaktion

Die diesjährige Pfingstaktion stand ein wenig unter diesem Motto: Phantasie zu Pfingsten – Oder wie ich mir die Zukunft erhoffe.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft
in der jeder seine Fragen stellt,
in der Fragen als Antworten gelten.
In der Antworten nicht gedacht,
sondern empfunden werden

in einem Raum,
der weiter ist
als dass der nächste Schritt
ermessen werden könnte.

Den Fuß
aufs Meer setzen, das sollte Ge-
wohnheit werden.

Johann Schmiedehausen

Diese Worte stehen im Kontext der Jugendtagung zu Pfingsten. Dort waren ihnen Vorträge und Diskussionsrunden vorausgegangen. Auf der Internationalen Jugendtagung, die dieses Jahr in Witten stattfand, widmeten wir uns dem Thema „Phantasie – creating future“.

🔗Aufgabenstellung zur Pfingstaktion

Durch ein Fenster in einem der Transparente kann man auf die weiter innen liegenden Transparente und Gedichte blicken.
In die Transparente eingeschnittene Fenster gewähren Blicke, in die Vielschichtigkeit dieser hängenden Transparent-Hüllen.

Für die diesjährige Pfingstaktion zogen wir nicht in die Stadt, um den Austausch mit weiteren Menschen zu suchen. Nein, dieses Mal wurden wir aufgefordert, uns doch zunächst einmal mit uns selber in Austausch zu begeben und uns zu überlegen, was wir uns für die Zukunft wünschen, wie wir uns diese vorstellen. Den Zusammenhang dieser Aufgabenstellung zum Tagungsthema möchte ich gleich anhand einzelner Phrasen meines Gedichtes näher bringen.

🔗Ablauf der Kunstaktion

Doch was geschah nun mit all diesen Geschichten der jungen Menschen? Jeder schrieb seine Worte auf ein langes Transparent. Die Transparente der einzelnen Gruppen wurden nun zusammen an mehreren ineinander liegenden schwebenden Rahmen zu einer großen, begehbaren und lichtdurchfluteten Skulptur zusammengefügt.

Zunächst hingen die Transparente zusammengerollt an dieser Rahmenkonstruktion und einzelne Menschen saßen zwischen den Transparenten. Nun begann die eigentliche Pfingstaktion: Außen herum füllte sich der Saal langsam. Unter Gesang zogen die anderen jugendlichen ein und nahmen Platz.

Dann wurde die Konstruktion hoch gezogen und die Transparente entrollten sich. Als der Gesang verstummte, erhoben die Menschen, die in der Konstruktion standen, ihre Stimmen und begannen die Visionen vorzulesen. Zunächst erklangen in einem Stimmengewirr viele Worte gleichzeitig. Dann wurden einige einzeln verlesen. Auf deutsch, englisch, russisch und in einigen weiteren Sprachen, die auf den Transparenten zu lesen waren.

Als Gesang schließlich die Stimmen wieder übertönte, begann der Saal sich zu leeren.

Die Kunstinstallation auf der Internationalen Jugendpfingsttagung, als sie dann fertig hängt.
Die Installation, wie sie am Ende der Pfingstaktion dort hing.

🔗Zu meinen Worten

Ich erlaube mir, meine Worte hier noch einmal anzuführen, um alsbald drei Aspekte herauszugreifen und genauer zu betrachten.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft
in der jeder seine Fragen stellt,
in der Fragen als Antworten gelten.
In der Antworten nicht gedacht,
sondern empfunden werden

in einem Raum,
der weiter ist
als dass der nächste Schritt
ermessen werden könnte.

Den Fuß
aufs Meer setzen, das sollte Ge-
wohnheit werden.

Johann Schmiedehausen

Ein Element, dass sich durch das ganze Gedicht zieht, ist dieses Raumöffnen. Es klingt bereits an im Vers „in der Fragen als Antworten gelten“ und wird zuletzt wieder aufgegriffen in der Metapher des Meeres. Diesen raumöffnenden Aspekt betonte Herbert Himmelstoß bereits in seinem Vortrag „Wie helfe ich meiner Schwerster Phantasie“, indem er an Beispielen, in denen er sich offen gegenüber Wendungen im Moment gezeigt hatte, verdeutlichte, welches Feld an Möglichkeiten sich dann eigentlich öffnet, wenn man auf Einfälle vertraut, auf Phantasie als kreative Kraft. Ulrich Meier blickte auf die Wichtigkeit dieses Aspekt indem er die Wirklichkeit und Kraft der Bilder im Raum der Phantasie beleuchtete.

Dieses auf die Phantasie vertrauen ist aber nicht einfach, weil der Ausgang eines Erlebnisses keinesfalls klar ist, das Ereignis nicht berechenbar. Aber genau darin liegt der Gewinn, des „den Fuß aufs Meer Setzens“: es entstehen Räume für Neues, was ich vorher noch nicht gekannt habe.

Tja, und der letzte Aspekt, den ich hier hervorheben möchte, ist das Empfinden einer Richtigkeit, das „Fragen oder Antworten empfinden“. Es berührt das Thema der subjektiven Wahrheit, der Wahrnehmung und in wie weit sich nicht doch eine tieferliegende Bedeutung, eine intentionale Ausprägung ausgestalten kann, die in ihrer Art die „Skulptur Wahrheit“ darstellt. Das ist ein Aspekt, der wohl nächstes Jahr auf der Pfingsttagung in Darmstadt Raum erhalten wird.

🔗Mein Resümee zur Pfingstaktion

Besonders schön fand ich die Vielstimmigkeit der Sprachen.

Was mir auffiel beim Lesen der Worte der andren jungen Menschen war die Ähnlichkeit vieler Anführungen. Zu lesen war vom Klima, von Harmonie (auch gegenüber den Tieren), von Chancen und Gleichheit, von Krieg, Vernichtung und Frieden, von Hoffnung. Aber auch tief-zynische Worte zur aktuellen Situation fanden sich, die von einer Verletztheit künden, wie sie besonders Ohnmacht erzeugen kann. Zwischen den – vielleicht träumenden – Blicken in die Zukunft fand ich auch Referenzen in Kapitel der Vergangenheit, wie beispielsweise die Zeit des deutschen Nationalsozialismus. Das offenbart für mich ein klein Wenig das Fundament, auf dem diese jugendlichen Phantasien fußen: es ist eines vorhanden und trägt mitunter starke Wurzeln. Denn die Energie dieser jungen Menschen wird jene sein, mit der die nächste Generation schaffend wird.

Weitere Worte zur Zukunft

Die selbe Installation unserer Pfingstaktion noch einmal von einer anderen Seite aus gesehen.

Auf den folgenden Seiten möchte ich gerne ein bescheidene Auswahl der anderen Texte der Tagungsteilnehmer ausführen. Da die Gedichte anonym aufgehangen wurden, kann ich die AutorInnen nicht um ihre Erlaubnis fragen noch ihre Namen hier nennen. Aber ich möchte mit dieser Sammlung einfach zeigen, wie bunt und doch gemeinsam diese vielen Aussagen der Pfingstaktion letztendlich sind.

Also, viel Freude bei der weiteren Lektüre!

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