Archiv der Kategorie: Gedanken

Während des Freiwilligendienstes kam ich immer wieder ins Grübeln. Einige der Gedanken, die aus diesen Grübeleien entsprangen möchte ich hier mit den Lesern teilen.

Zwischen Tiefsinnigem und Reflexivem greife ich hier bunt die Themen auf, die allgemeineren Bezuges sind. Also Themen, die mich beschäftigen, aber nicht nur mich betreffen. :)

Die Mauer als Fluchtursache

Wie eine Mauer Neugierde weckt auf das Unerreichbare dahinter und so zur Fluchtursache für Menschen wird, die den grausamen Weg übers Mittelmeer wählen. Und warum diese Reisenden in Europa dann in die Illegalität abrutschen. Das war das Thema der kleinen Schauspielszenen, die uns Riadh Ben Ammar während des Rückkehrseminars darbot.

Riadh Ben Ammar wirft ein neues Licht auf die Diskussion zur Fluchtursache.
Riadh Ben Ammar arbeitet bei seinem Ein-Mann-Theater bloß mit Dialogszenen und seinem Schatten. Requisiten braucht er keine.

Riadh Ben Ammar stammt selbst aus Tunesien und engagiert sich mit seinem „Theater für Bewegungsfreiheit“ (siehe Stiftung :do und æ act) für das Reiserecht von Tunesiern in Europa. Mit sehr eindrucksvollen kleinen Dialog-Szenen schildert er seine Sicht auf das Thema: Dass diese Grenze, die für Tunesier zwischen ihrem Land und Europa liegt, die eigentliche Fluchtursache, die eigentliche Motivation zum Reisen sei.

Ein Gedanke, den ich so interessant fand, dass ich darüber gerne schreiben wollte. Ich beschreibe hier den Weg, den Riadhs beispielhafter Tunesier Sami auf seiner Reise nahm.

🔗Samis Weg nach Europa

🔗Das Visum

An tunesischen Stränden tummeln sich europäische Touristen. Sie haben Geld, leben im Wohlstand und können sich leisten, sich in der Sonne zu fläzen. Und vor allem: sie dürfen es! Sie können in einen Flieger steigen, bekommen ein Visum und können andere Länder nach Belieben bereisen.
Sami hat ebenfalls das Bedürfnis, die Küste jenseits des Mittelmeeres kennen zu lernen. Die Mauer als Fluchtursache weiterlesen

Daheim und Zuhause

Daheim und Zuhause sind zwei Wörter für den selben Ort. Den Ort, an dem man sich geborgen fühlt, der einem Heimat ist und den man womöglich mit lieben Menschen teilt. Doch was, wenn es nicht nur einen Ort gibt, den man sein Zuhause nennen möchte?

Freiheit, Gesellschaft und ein kolonialistisches Straßensystem
Columbia – Die Straße in der ich wohnte.

In meinem Jahr des Freiwilligendienstes habe ich einen weiteren solchen Ort gefunden. Ich kenne zwei Orte die ich mein Zuhause nennen möchte. Zwei Orte, an denen ich mich sehr wohl fühle. – Doch es ist etwas anderes, ob du an einem Ort deine ganze Kindheit verbracht hast, ober ob du in eine Gemeinschaft aufgenommen einen schönen Ort ein Jahr lang kennen lernst.

Wie benennt man diese verschiedenen Orte, wenn man sich mit anderen unterhält? Daheim und Zuhause weiterlesen

Die Zukunft planen.

Nun ist es schon Mitte Mai. Die Frage nach der Lebensgestaltung brennt – im Juli sollte die Bewerbung für die Universität eingereicht sein. Doch was will ich überhaupt? Möchte ich studieren? Wenn ja, was?

Die Frage der eigenen Lebensgestaltung ist schwierig. Sehr. Hängt sie doch neben Wünschen auch einfach vom Möglichen ab. Schnell läuft man in eine falsche Richtung, sodass binnen kurzer Zeit das eigentlich Gewollte fast ungreifbar wird.
Die Ideen,  welche man erwägt, wollen in dieser Weise Überdacht sein. Und dann stellt sich natürlich die Frage, wie ich mit dem Geld hinkommen werde…

🔗Wie finde ich, was mir gefällt?

Hast du eine Idee, was du verändern möchtest; weist du, welche Arten der Lebensführung du bewunderst, welche Art von Lebensweg für dich der richtige sein könnte; hast du eine erste Idee, wie es für dich Anfang vierzig aussehen soll? Die Zukunft planen. weiterlesen

Freiheit

Welch ein erhabenes Gefühl. Du kommst von einem arbeitsreichen Vormittag nach Hause. Es ist fast halb vier, als du vom Mittagstisch aufstehst und nun nicht weißt, was du tun sollst.
Ich lebe nun seit fast drei Monaten in Villa Carlos Paz, Argentinien. Doch auch wenn ich in dieser Zeit bereits einiges der argentinischen Sprache gelernt habe und mich redlich bemühe die Gegend kennen zu lernen, warten nun, nach dem Essen, keine Verpflichtungen auf mich.
Darüber möchte ich heute schreiben.

Freiheit, Gesellschaft und ein kolonialistisches Straßensystem
Columbia – Die Straße in der ich wohne.

Die ersten Wochen war dieses Gefühl am stärksten, aber auch jetzt noch, wenn der Tag und meine Laune hervorragend sind, fühlt es sich so an. Es ist wie Urlaub. Dass du morgens um kurz vor Sechs aus den Federn musst, ist nach dem Vormittag in der Schule vergessen. Zu viel Trubel, zu viele Menschen, die alle fröhlich und wohlgesonnen deinen Weg kreuzen. Und dann Nachmittags: nichts. Die Sonne scheint, ein leichter Wind der dir die 27° C nicht zu warm erscheinen lässt und du gehst zum Fluss, weil du weißt, dass du die Zeit hast. Freiheit weiterlesen

„Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes

In der Schule essen alle Schüler zu einer bestimmten Zeit Mittagessen. Das Essen wird von den Schülern reihum mitgebracht. Die kleinen essen etwas früher, die großen Schüler gegen halb Eins. Wie gewöhnlich betrat ich die Aula der elften Klasse um mit ihnen gemeinsam zu Mittag zu essen.

Und, wie nicht selten, waren auch an diesem Tag an der Tafel noch Anschriebe des vorangegangenen Unterrichts zu lesen. Doch dieses Mal blieb mein flüchtig über die Tafel streifender Blick hängen. Etwa mittig standen nur zwei Worte in weißer Kreide: „hadn‘t gone“.

🔗„hadn‘t gone“

Was für Worte: „hadn‘t gone“. Diese Worte, wie sie dort auf einer, der elften Klasse entsprechend, eher schnell als gründlich gewischten Tafel standen, brachten mich direkt ins Grübeln. Was meinen sie? In welchem Zusammenhang stehen sie?

Ein oberflächlicher Bezug zu den übrig gebliebenen farbigen Flecken an der Tafel wäre eine Möglichkeit. Ich muss grinsen. Diese wohlgeformte Linie aus Kreide – ein Gedanke der Person, die vergeblich mit dem Schwamm über das Brett fegte?

Doch ist schwarz nicht auch die Farbe des Todes? Wie tiefgründig können solche Worte werden. Weiß, mittig platziert unumgänglich auffällig, diese Worte. Umgeben von schleierartig mattweißen Schattierungen bunter Formen früherer Zeit, auf schwarzem Grund. „Hadn‘t gone.“ „Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes weiterlesen

Single Story – die einzelne Geschichte

Der Begriff „Single Story“ ist für sich einfach erklärt. Das Problem dahinter ist aber komplexer, da es mit Gewohnheiten und Bewusstsein zu tun hat.

Dieses Thema sprachen wir auch auf dem Vorbereitungsseminar an.

🔗Single Story?

Nach einem Vortrag von Chimamanda Adichie ist die Single Story einfach eine Geschichte von vielen. Die Single Story birgt aber insofern eine Gefahr in sich, als dass sie droht als einzige Darstellung ihren Inhalt zu stereotypisieren. Die Darstellung einer Gegebenheit wird verallgemeinert und als einzige Sichtweise angenommen. Hierdrin liegt die Gefahr von Single Stories. Sie bilden dem Zuhörer oder Leser ein scheinbares Gesamtbild, ohne dass die Möglichkeit einer anderen Sichtweise eingeräumt wird. Single Story – die einzelne Geschichte weiterlesen