Schlagwort-Archive: Zweites Quartal des FJA

Ich habe meine Beiträge zum FJA in die zeitlichen Blöcke Vorbereitung, erste Zeit, zweites Quartal, drittes Quartal, Abschied und Nachbereitung unterteilt.

Zum Ende der ersten Halbzeit in Argentinien fand ich mich langsam zurecht in der neuen Umgebung. Im Januar stand das Zwischenseminar im Kalender.

Buenos Aires – Das Zwischenseminar

Tigre – Eine Schiffsrundfahrt in einem Vorort von Buenos Aires.

Das Zwischenseminar ist Teil der Seminarreihe zum Freiwilligendienst. Eigentlich ist es nur für Teilnehmer des weltwärts-Programmes vorgesehen.

Der Ort an dem wir das Zwischenseminar verbrachten: Das Hotel Bauen.
Dieses Schild, auf einer innenhofähnlichen Dachterasse angebracht, ist auf wunderbare Weise Zeichen des Zustandes des Hotels. Ein wenig marode aber im Kern durch und durch es selbst: Bauen Hotel.

Doch da die „Freunde“ die beiden Programme „weltwärts“ und „IJFD“ gleichstellen, sahen sich auf diesem Seminar alle Freiwilligen der Länder Chile, Uruguay und Argentinien wieder. Und zwar wirklich alle. Bisher gab es wohl nur wenige Jahre, in denen bis zu diesem Zeitpunkt niemand seinen Dienst abgebrochen hatte.

🔗Themen des Zwischenseminares

Auf dem Zwischenseminar ging es vor allem darum, dass wir uns darüber Gedanken machen sollten, was wir bereits erreicht haben, und was wir in den verbleibenden Monaten noch machen möchten. Dabei schauten wir stets auf verschiedene Ebenen. Zum einen natürlich unsere Arbeit im Projekt (der Schule, dem Kindergarten, Bauernhof oder den vielen anderweitig sozialen Einrichtungen, in den wir Freiwillige arbeiten). Dann aber auch die familiäre Seite bei unserer Gastfamilie und auch im Hinblick auf die Kultur und andere soziale Kontakte. Wie weit waren wir schon in Verbindung mit anderen Menschen, jenseits von Familie, Projekt und uns Freiwilligen, in Verbindung gekommen? Buenos Aires – Das Zwischenseminar weiterlesen

Die Lage

Los Gigantes, eine Bergkette westlich von Carlos Paz, wird durch verschiedene bewirtschaftete Hochebenen unterbrochen. In der Ferne erkennt man die höchsten Rücken der Kette.

Ich möchte in diesem etwas längeren Artikel einmal auf meine Wahrnehmungen der Stadt aus den vergangenen Monaten eingehen. Diese Schilderungen sind subjektiv und beziehen sich nur auf Carlos Paz. Ich bin noch nicht ausreichend herumgekommen, dass ich allgemeinere Aussagen machen könnte.

🔗Der Ort Carlos Paz

🔗Landschaftlich

Die Lage der Schule und meines Zuhauses in Carlos PazDie Stadt Villa Carlos Paz liegt an einem aus drei Flüssen gespeistem Stausee. Einer dieser Flüsse wächst aus vielen kleinen Flüssen in den Bergen und schlängelt sich dann durch verschiedene Ortschaften und Städte bis er hier von Süden her durch Carlos Paz fließt und in den Stausee Emabalse San Roque mündet. Auch an meiner Haustür fließt der Fluss San Antonio recht dicht vorbei (2). Aufgrund seines Ursprungs in den Bergen ist der Wasserstand sehr vom lokalen Wetter abhängig. Nach Regenschauern steigt der Wasserstand gut an. Über das Jahr gesehen ergeben sich Wasserstandunterschiede von etwa zwei Metern hier vor meiner Tür, wo das Flussbett gute dreißig Meter breit ist.

Während die Stadt im Süden also durch den Stausee begrenzt wird, sind es im Osten und Westen Bergketten, die die Stadt einengen. Nach Osten hin sind die Berge besonders steil. Las Chicas (dt: die Kleinen), wie sie hier genannt werden, steigen direkt am Stadtrand etwa dreihundert Meter in die Höhe. Wenn man sie besteigt wird man oben von erfrischender Ruhe umgeben – der Lärm der Stadt dringt kaum herauf. Dazu präsentiert sich eine beeindruckende Aussicht. Die Lage weiterlesen

Impressionen III

In den letzten anderthalb Monaten war ich viel unterwegs in der Gegend rund um Carlos Paz. Nun möchte ich hier wieder einmal ein paar wenige Bilder für die Reihe Impressionen auswählen und kommentieren.

Impressionen des Río SAn Antonio nach Sonnenuntergang.
Der Río San Antonio bietet jeden Tag ein anderes Bild. Das Schwinden des Tageslichtes hier zu beobachten, bereitet mir besonders Freude.

Abends gehe ich gerne mal an den nur wenige Minuten entfernten Fluss San Antonio. Das hat mehrere Gründe.
Zum einen ist es dort direkt am Wasser ein wenig kühler. Zum anderen setzte ich mich dort gerne hin um Musik zu hören und – solange es an dem Tag dann noch hell ist – zu zeichnen oder zu schreiben. Ich habe das für mich als eine gute Möglichkeit gefunden, über den Tag zu reflektieren und mich wirklich zu mir zurückzuziehen.

Ich habe hier einfach noch stärker als in manchen Momenten Daheim erlebt, dass es mir sehr wichtig ist, Musik zu hören, die mir gefällt und die ich kenne. Das ist für mich einfach eine Möglichkeit, mich wirklich zu entspannen. Impressionen III weiterlesen

Freiheit

Welch ein erhabenes Gefühl. Du kommst von einem arbeitsreichen Vormittag nach Hause. Es ist fast halb vier, als du vom Mittagstisch aufstehst und nun nicht weißt, was du tun sollst.
Ich lebe nun seit fast drei Monaten in Villa Carlos Paz, Argentinien. Doch auch wenn ich in dieser Zeit bereits einiges der argentinischen Sprache gelernt habe und mich redlich bemühe die Gegend kennen zu lernen, warten nun, nach dem Essen, keine Verpflichtungen auf mich.
Darüber möchte ich heute schreiben.

Freiheit, Gesellschaft und ein kolonialistisches Straßensystem
Columbia – Die Straße in der ich wohne.

Die ersten Wochen war dieses Gefühl am stärksten, aber auch jetzt noch, wenn der Tag und meine Laune hervorragend sind, fühlt es sich so an. Es ist wie Urlaub. Dass du morgens um kurz vor Sechs aus den Federn musst, ist nach dem Vormittag in der Schule vergessen. Zu viel Trubel, zu viele Menschen, die alle fröhlich und wohlgesonnen deinen Weg kreuzen. Und dann Nachmittags: nichts. Die Sonne scheint, ein leichter Wind der dir die 27° C nicht zu warm erscheinen lässt und du gehst zum Fluss, weil du weißt, dass du die Zeit hast. Freiheit weiterlesen

„Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes

In der Schule essen alle Schüler zu einer bestimmten Zeit Mittagessen. Das Essen wird von den Schülern reihum mitgebracht. Die kleinen essen etwas früher, die großen Schüler gegen halb Eins. Wie gewöhnlich betrat ich die Aula der elften Klasse um mit ihnen gemeinsam zu Mittag zu essen.

Und, wie nicht selten, waren auch an diesem Tag an der Tafel noch Anschriebe des vorangegangenen Unterrichts zu lesen. Doch dieses Mal blieb mein flüchtig über die Tafel streifender Blick hängen. Etwa mittig standen nur zwei Worte in weißer Kreide: „hadn‘t gone“.

🔗„hadn‘t gone“

Was für Worte: „hadn‘t gone“. Diese Worte, wie sie dort auf einer, der elften Klasse entsprechend, eher schnell als gründlich gewischten Tafel standen, brachten mich direkt ins Grübeln. Was meinen sie? In welchem Zusammenhang stehen sie?

Ein oberflächlicher Bezug zu den übrig gebliebenen farbigen Flecken an der Tafel wäre eine Möglichkeit. Ich muss grinsen. Diese wohlgeformte Linie aus Kreide – ein Gedanke der Person, die vergeblich mit dem Schwamm über das Brett fegte?

Doch ist schwarz nicht auch die Farbe des Todes? Wie tiefgründig können solche Worte werden. Weiß, mittig platziert unumgänglich auffällig, diese Worte. Umgeben von schleierartig mattweißen Schattierungen bunter Formen früherer Zeit, auf schwarzem Grund. „Hadn‘t gone.“ „Hadn‘t gone“ – Betrachtung eines Tafelanschriebes weiterlesen