Schlagwort-Archive: Erste Zeit des FJA

Ich habe meine Beiträge zum FJA in die zeitlichen Blöcke Vorbereitung, erste Zeit, zweites Quartal, drittes Quartal, Abschied und Nachbereitung unterteilt.

Die erste Zeit war vor allem eine Zeit der Orientierung. Angekommen ohne Sprachkentnisse und auch ohne die geringste Ahnung von der argentinischen Kultur nutzte ich die erste Zeit mich im argentinischen Alltag zurecht zu finden.

Abschied und Wiederkehr

Ich erinnere mich noch gut an meinen Abschied in Hamburg, auf dem Weg nach Argentinien. Am Flughafen verabschiedete ich mich mit einer kurzen Umarmung von meiner Familie – voller Vorfreude und gespannt auf das, was mich nun erwartete machte ich mich ohne Wehmut auf den Weg zum Gate.

Abschied aus meiner Straße in Villa Carlos Paz, Córdoba, Argentinien.
Die Straße in der ich wohne: Colombia.

Nun ist ein ganzes Jahr vergangen, und die Situation sieht anders aus. Es liegt ein Jahr hinter mir, das für mich mit ganz besonderen Erfahrungen gefüllt war. Erfahrungen, die man nur einmal im Leben macht. Erfahrungen, die dich „erwachsen werden ließen“, wie es mir eine Kindergärtnerin der „Sol de Oro“ auf meiner Abschiedsfeier sagte.

In diesem Jahr habe ich eine neue Familie gefunden, eine neue Kultur kennen gelernt, ein neues Zuhause gefunden. Abschied und Wiederkehr weiterlesen

Freiheit

Welch ein erhabenes Gefühl. Du kommst von einem arbeitsreichen Vormittag nach Hause. Es ist fast halb vier, als du vom Mittagstisch aufstehst und nun nicht weißt, was du tun sollst.
Ich lebe nun seit fast drei Monaten in Villa Carlos Paz, Argentinien. Doch auch wenn ich in dieser Zeit bereits einiges der argentinischen Sprache gelernt habe und mich redlich bemühe die Gegend kennen zu lernen, warten nun, nach dem Essen, keine Verpflichtungen auf mich.
Darüber möchte ich heute schreiben.

Freiheit, Gesellschaft und ein kolonialistisches Straßensystem
Columbia – Die Straße in der ich wohne.

Die ersten Wochen war dieses Gefühl am stärksten, aber auch jetzt noch, wenn der Tag und meine Laune hervorragend sind, fühlt es sich so an. Es ist wie Urlaub. Dass du morgens um kurz vor Sechs aus den Federn musst, ist nach dem Vormittag in der Schule vergessen. Zu viel Trubel, zu viele Menschen, die alle fröhlich und wohlgesonnen deinen Weg kreuzen. Und dann Nachmittags: nichts. Die Sonne scheint, ein leichter Wind der dir die 27° C nicht zu warm erscheinen lässt und du gehst zum Fluss, weil du weißt, dass du die Zeit hast. Freiheit weiterlesen

Impressionen II

Eine der Brücken in Carlos Paz ist nachts beleuchtet. Diese bunte LED-Beleuchtung ist hier in der Stadt weit verbreitet. Weite Strecken der Hauptstraße entlang sind die Bäume in der Straßenmitte mit wechselnden Mustern beleuchtet. Auch in anderen Ecken der Stadt findet sich hin und wieder eine beleuchtete Verkehrsinsel.

Nun ist der zweite Monat schon um, und es ist eine Menge geschehen. Daher möchte ich hier erst einmal wieder einfach Impressionen in Form von Bildern zeigen, denn zu ausführlichen Texten werde ich wohl erst in einiger Zeit wieder kommen 🙂

Impressionen der Stadt Carlos Paz.
Die Stadt erstreckt sich entlang des Flusses San Antonio und umgibt den südlichen Teil des Stausees.

Das Stadtzentrum Carlos Paz‘ mit dem Fluss San Antonio. Er schlängelt sich durch die Stadt und mündet dann von Süden her im Stausee.
Dieses Bild entstand auf dem Rückweg von einem Ausflug auf einen der stadtnahen Berge. Impressionen II weiterlesen

Die ersten Arbeitstage

🔗Der Schulweg

Morgens um sechs Uhr heißt es Aufzustehen. Es gibt kleines Frühstück – frisch und selbst gebackenes Brot mit Marmelade oder Honig. Dazu einen Tee. Dann kommt auch schon der Schulbus und es geht Richtung Schule los. Die Fahrt dauert eine gute Stunde. Es geht Hügel rauf, Hügel runter, hier links, da recht – selten geradeaus. Inzwischen, nachdem ich die Strecke (wenn auch mit täglichen Variationen) ein gutes Dutzend mal gefahren bin, erkenne ich ganze Streckenabschnitte wieder und kann mich halbwegs orientieren. Auch dass die Sonne mittags im Norden steht, habe ich mittlerweile verinnerlicht.

Im Osten geht die Sonne auf,
Im Norden nimmt sie ihren Lauf,
Im Westen wird sie untergeh’n,
Im Süden ist sie nie zu seh’n.

Der Merkspruch gilt auf der Südhalbkugel in umgedrehter Weise…

In dieser Stadt, die so lang gestreckt um den See entstanden ist, sind Norden und Süden zwei wichtige Richtungen zur Orientierung in der Stadt Die ersten Arbeitstage weiterlesen

Impressionen I

Eine Bucht am See, Nachmittags kurz vor Sonnenuntergang.

Mit der Beitragsreihe Impressionen werde ich von Zeit zu Zeit ein paar Bilder dieses Jahres veröffentlichen. Die einzelnen Beiträge ändern nach ihrer Veröffentlichung vielleicht noch manchmal ihren Inhalt, aber ich fand dies eine gute Möglichkeit, euch Bilder ohne viel Text zugänglich zu machen.

Das Beitragsbild entstand auf der Rückfahrt von Merles Zuhause (Merle ist die andere Freiwillige, die im Kindergarten der Sol de Oro mitarbeitet). Der Sonnenuntergang über dem See und in der Ferne die im Dunst liegenden Bergketten waren mir ein Photo wert.

Ein Blick in die Ferne…
Ein Blick in die Ferne…

Dieses Bild entstand schon vor einer Weile, genauer am ersten Wochenende, wenn ich mich recht entsinne. Ich war mit meinem Gastvater auf einen nahen Berg gestiegen (auf etwa 1200 m, also 600 m über der Stadt) und hatte von dort schon einen ersten Blick über die Umgebung geworfen. Impressionen I weiterlesen

La Luna – Der Mond

Ein wunderbarer Mond, ein Designerstück von Hocker und eine Belichtungszeit von zwanzig Sekunden ermöglichten mir diese Aufnahme.

Der Mond erschien an diesem Abend besonders groß. Wie alle Gestirne zieht er seine Runden von Ost über Nord nach West. Das macht mir  die Orientierung in dieser Stadt nicht gerade leicht, wenn die Sonne am Tage falsch herum wandert.

Hier in Carlos Paz wird es recht früh dunkel. Gegen aktuell etwa sieben Uhr wird es innerhalb einer  halben Stunde quasi Nacht. Dieses Photo schoss ich gegen viertel vor acht.
Ein Hocker – geschweißt aus der Sitzfläche eines alten Ackergerätes und ein paar Eisenstangen – diente mir als Stativ. Auf diese Weise gelang mir diese verwackelungsfreie Aufnahme von zwanzig Sekunden. La Luna – Der Mond weiterlesen

Meine Ankunft in Argentinien

Blick aus dem Schulbus (mit – zugegeben – etwas dreckigen Scheiben) auf Carlos Paz.

Die Ankunft in Buenos Aires war herrlich. Die Sonne hatte sich gerade erhoben und tauchte alles in ein morgendliches Rot. Die Pampa erstreckte sich ringsum wie es Norddeutschland nicht könnte: nicht die Andeutung eines Hügelchens bis zum Horizont. Über den nicht allzu großen Feldern lagerten vom Sonnenlicht durchtränkte rosarote Nebelschwaden. Zwischen den Feldern hier und da vereinzelt ein paar Bäume, ansonsten Flachland. So sieht es also aus, das Land in dem ich nun ein Jahr verbringen werde.

Mit einem leichten Ruck setzt das Flugzeug auf der Landebahn auf, und noch während ich aus dem Fenster blicke wird mir bewusst, dass das Jahr begonnen hat. Dass ich jetzt wirklich dort bin, wo man ohne den Globus zu drehen nicht hin zeigen kann. Dass ich jetzt wirklich angekommen bin und dieses große Abenteuer wirklich schon begonnen hat.
Ich bin sehr glücklich und ob des wunderschönen Empfanges frohen Gemüts – auch wenn sich mir der Gedanke aufdrängt, dass ich nun wirklich ein Jahr lang von meinem Bekannten – der Familie, den Freunden, den gewohnten Umgangsweisen – entfernt sein werde. Meine Ankunft in Argentinien weiterlesen